Reisen mit Baby & Kleinkind – unglaublich anstrengend oder unfassbar schön?

Miss Senibua von Family-Travel-Planner hat zur Blogparade aufgerufen über das Thema Reisen mit Baby & Kleinkind – unglaublich anstrengend oder unfassbar schön. Weil die Blogparade noch bis zum 31. März 2017 läuft, möchte ich gerne noch teilnehmen und lege mal los mit unseren Erfahrungsberichten.

 

Wie waren die bisherigen Reisen mit Eurem Baby/Kleinkind?

Im Babyalter haben wir gar keine Reisen unternommen. Da standen Reiseplanungen im Schatten aller Ereignisse, des neuen Lebens und der neuen Herausforderung. Im Babyalter reisten wir allerhöchstens ins 400 Kilometer entfernte Erzgebirge zu den Großeltern. Ich erinnere mich noch genau an die erste Fahrt, als das Kindchen 4 Monate alt war. Es war schrecklich, das Baby tat mir leid, ich hätte heulen können, genau wie er. Autofahren war wohl nicht seins.

 

Unser erste Reise unternahmen wir, als das Kindchen 13 Monate alt war. Es wurde klassisch Dänemark mit Wohnmobil. Wir sind ja grundsätzlich offen für fast alle Reisearten und so hätte es sein können, dass ein Wohnmobil für uns das ultimative Reisemittel darstellen könnte. War’s aber nicht. Ein bisschen naiv ging ich an die Reiseplanung heran, denn wie in unseren 11 Reisejahren zuvor hatte ich auch diesmal eine Route herausgesucht, die ich gerne exakt so abgefahren hätte und dabei nichts auslassen wollte. Dänemark hat schließlich tolle Ecken zu bieten und die wollte ich sehen. Hatte ich doch nicht mit einem Ich-habe-keine-Lust-so-lange-zu-sitzen-Kleinkind gerechnet. Die Fahrt nach Rostock zur Fähre war eine Qual für ihn und für uns. Wir hatten schon eine Stunde nach Abfahrt ein schlechtes Gewissen, warum wir ihm das antun, nur weil wir Rabeneltern unsere Reisebedürfnisse befriedigen wollten.

 

 

Der Urlaub selbst verlief natürlich komplett anders als erwartet. Ich kürzten meine Route schweren Herzens um die Hälfte der Strecke, denn etwas herbeizwingen kann man schließlich nicht. Wir erlebten dennoch eine ansonsten angenehme Zeit in Dänemark, vor allem gemeinsame Familienzeit. Das Kindchen hatte mal schlechte, mal gute Laune. Vor allem aber lernte er im Urlaub laufen mit Festhalten und gleichzeitig sehr viele Wörter. Das war wohl der Grund seiner vorangegangenen schlechten Laune. Laufen und sprechen lernen sind ja die Meilensteine für ein Baby/Kleinkind und dass er dies ausgerechnet im Urlaub lernte, sah ich nicht als Zufall. Vielmehr denke ich, dass er sich von den Eindrücken, dem Meeresrauschen, den verschiedenen Gerüchen inspirieren ließ und deshalb diese Meilensteine zu dieser Zeit ging.

 

 

Fazit unseres ersten Familienurlaubs: Er war anstrengend und wir persönlich empfanden diesen Reisezeitpunkt mit Baby/Kleinkind schlecht gewählt.

 

Der darauffolgende Urlaub führte uns nach Italien und da erlebten wir das komplette Gegenteil zu Dänemark, obwohl nur etwas mehr als zwei Monate dazwischenlagen. Bis dahin konnte das Kindchen frei laufen und erkundete alles, was ihm so in den Weg kam. Er drehte jeden Stein um, guckte unter jede Pflanze, spazierten mit uns den kompletten Yachthafen entlang und durch jedes Städtchen, das wir besichtigten.

 

 

Spätere Kurztrips und längeren Reise, auch die erste Flugreise nach Schweden, waren eine wahre Freude. Und 2015, als er 2 1/2 Jahre alt war, wagten wir ja auch unser Abenteuer und fuhren drei Monate durch Schweden und Norwegen. Spätestens da zeigte sich, dass das Reisen mit Kleinkind unfassbar schön und bereichernd für alle Beteiligten ist. Jeder von uns lernt etwas dazu. Vor allem gewinnen wir Eltern mehr an Lebenserfahrung und Weisheit. Klar gibt es immer mal anstrengende Tage zwischendurch, man ist auch mal im Urlaub gereizt. Solange die schönen Tage weit überwiegen, ist doch aber alles bestens, oder?

 

 

Was findet/fandet Ihr besonders schön?

Es ist schön zu sehen, wie das Kindchen auf seiner Höhe die Welt betrachtet. Daraus kann man als Erwachsene echt noch lernen. Er achtet und schätzt die Welt, in dem er auf die kleinen Dinge achtet, die wir Erwachsene längst schon übersehen. Blumen am Wegesrand, ein Baumstamm, der die Form eines Pilzes zeigt. Palmen, weil sie so anders aussehen als unsere heimischen Bäume. Durch ihn kommen wir einfacher und schneller in Kontakt mit den Landsleuten als früher. Wohnzimmertüren werden geöffnet, Eintritt in fremde Familien gewährt. Das wäre uns früher nie passiert.

 

 

Was ist/war eher schwierig?

Wie gesagt, war die größte Herausforderung für uns Eltern mit ihm im Babyalter/Kleinstkindalter zu reisen, als er gerade so viel lernte und Schwierigkeiten hatte, alles zu verarbeiten. Das war ihm sichtlich zu viel.

 

Was sind Eure Empfehlungen bezüglich Reisen mit Kindern?

Das ist immer schwierig zu sagen, weil jedes Baby/Kleinkind anders ist. Es gibt Babys, die 10-Stunden-Flüge verschlafen und es gibt Babys, die 10 Stunden unruhig sind und viel weinen, weil sie auch außerhalb eines Flugzeuges unruhig sind und viel weinen. Unser Kindchen war kein unruhiges Baby und dennoch hätte ich mit ihm nicht im 1. Lebensjahr fliegen wollen. Meine Meinung ist aber abhängig von meiner ganz persönlichen Einstellung. Ich habe ebenso einige Dinge in den ersten zwei bis drei Lebensjahren nicht gemacht, andere Dinge wiederum schon.

 

Ich kann nur eine Empfehlung für ein Reiseziel abgeben und das ist Schweden! Ein Eldorado für jedes Kind und naturverbundene Familien. Wir verbrachten bisher 11 Wochen in Schweden und das Kindchen wünscht sich aktuell wieder einen Urlaub dort. Schweden muss für ihn also einen derart positiven Eindruck hinterlassen haben. Und dabei ist er noch nicht mal 5 Jahre alt.

 

 

Vergleich früher und heute:

Unsere früheren Reisen zu zweit waren teilweise sehr durchgeplant. Ich liebe diese Art zu reisen. Zu wissen, wo wir übernachten, was uns wo erwartet und wann wir zu welcher Zeit sein werden. Das gibt mir nach wie vor eine gewisse Sicherheit. Unsere heutigen Reisen mit Kindchen sind dagegen nicht derart durchgetaktet. Wir haben gelernt, gewisse Spielräume einzuplanen und dass nicht alles nach Plan verlaufen muss. Deshalb reisen wir heute ein wenig gelassener mit Mut zur Lücke. Meine eigenen Erwartungen wurden reduziert, dafür unsere Reisegestaltung auch an die Bedürfnisse des Kindchens angepasst. Wir reisen schließlich nun zu dritt und jeder möchter etwas davon haben. Losgelassen von den strikten eigenen Vorgaben ist das Reisen heute etwas langsamer nicht mehr mit früher zu vergleichen. Abgesehen davon würde ich mich heute nicht mehr in diese Abenteuer stürzen. Ich würde nicht mehr wollen, mit einer leeren Autobatterie fünf Stunden von Löwen umzingelt zu sein. In Havanna mit Zigarren zu dealen. Ohne Handyempfang mich in der Wüste Namibias zu verfahren, im Grand Canyon zu wandern oder ohne Genehmigung zu versuchen, nach Bolivien zu reisen, auf 4700 Höhenmeter, um dort von der mit Gewehren gewaffneten Grenzpolizei erwischt zu werden.

 

 

Ich hoffe, dass wir unserem Kindchen noch viel von der Welt zeigen können. Dass er seine Wertschätzung bewahrt und viele Erlebnisse und Erinnungen aus unseren gemeinsamen Reisen mitnimmt.

 

Denn Glück bedeutet, sich Zeit zu nehmen um die Schönheit der Welt zu betrachten.

 

Eure

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