Mecklenburgische Seenplatte – August 2020

Eigentlich war für den Sommer 2020 ein anderer Urlaub geplant. Wie bei so vielen anderen Reisenden auch. Dann kam Corona und wir switchten kurzerhand um. Zu der Zeit, als niemand ans Reisen dachte, buchte ich die Hotels und Ferienhäuser an der Seenplatte und an der Ostsee. Wir machten dabei nicht nur Schnäppchen, sondern auch die Hotel,- Pension- und Ferienhäuserbetreiber freuten sich über unsere Buchungen in dieser schweren Zeit. Ein paar Monate vergingen, es wurde Sommer und das Reisen in Deutschland auch wieder möglich. So verbrachten wir zuerst eine Woche an der Seenplatte mit einer 3-Tages-Radtour über 88 Kilometer und anschließend erkundeten wir für eine weitere Woche die schöne Insel Rügen. Hierzu gibt es einen eigenen Reisebericht.

 

Sommerferien 2020, während Corona mit Homeschooling und HomeOffice. Der erste Urlaubstag fing nicht gerade spannend an. Eigentlich wollten wir 14:00 Uhr losfahren. Nach langem Hin und Her wurde es 15:00 Uhr. Das rechte Abblendlicht war kaputt und das Auto zeigte eine Fehleranzeige, wir mussten nochmal nach Hause, um noch ein paar Pflanzen zu versorgen. Ich war müde während der Fahrt zu unserer Zwischenstation bei den Großeltern und hätte fast vier Unfälle gebaut. Dort kamen wir dann 19:30 Uhr und zumindest lag dort schon das Abendessen auf dem Grill.

 

Nach zwei Tagen ging’s weiter, die Fahrt über Leipzig, an Berlin vorbei und in Richtung Hamburg und verlief ohne Stau. Am Abend kamen wir in Röden am Müritzsee an, fanden das Hotel schnell und checkten ein. Endlich Urlaub!

 

Nun brauchten wir einen Plan, den wir wollten eine 3-Tägige Radtour unternehmen und musste das Auto unterbringen. Die Empfangsdame bot uns an, jeweils ein Tagesticket für den Parkplatz zu kaufen, wo unser Auto parken konnte. Problem gelöst.

 

Da das Hotel direkt nehmen dem kleinen Hafen liegt, sind wir am Abend noch am See spazieren gegangen, Kindchen mit dem Skateboard und wir zu Fuß. Bis hinter zu einem Campingplatz und wieder zurück. Abendessen gab’s beim Italiener mit Spaghetti Napoli, Gnoggi mit Mozzarella und Pizza Fungi mit extra Oliven und als Nachspeise Eis.

 

Erster Tag unserer 3-Tages-Radtour

 

Der erste Tag unserer 3-Tages-Radtour begann etwas hektisch. Um 8:30 Uhr standen wir auf, es gab Frühstück als Buffet trotz Corona und 11:00 Uhr checkten wir erst aus. Denn obwohl ich zu Hause alles die Rucksäcke vorgepackt hatte, was wir für die drei Tage benötigen würden, fehlte hier und da ständig etwas, weshalb Basti immer wieder zum Auto gehen und diese Dinge holen musste. Die Fahrräder durften wir über Nacht wegschließen, ich besorgte uns noch Wasser und Kekse und parkte das Auto gegenüber des Hotel auf den öffentlichen Parkplatz. Erst gegen Mittag fuhren wir los.

 

Dafür hatte ich eine landschaftlich wunderschöne Route herausgesucht, es ging vorbei an Felder und über Hügel immer mit Blick auf den Müritz und die Stadt Röden mit der hübschen Kirche. An einem Weizenfeld machten wir Rast und tobten uns aus. Leider zerkratzte sich das Kindchen dabei beide Oberschenkel, die dann später mit roten Punkten und Striemen übersät waren.

 

Kleine Hügelchen hoch und wieder runter, rechts abbiegen, da nach links und immer geradeaus, bei herrlichem Sommerwetter mit angenehmen 24 Grad.

 

Wir kamen durch hübsche kleine Orte und aßen bei Tante Emma ein Eis.

 

Kurz vor dem nächsten Hotel führte uns die Strecke durch einen Wald mit vielen Hinweisschildern, auf denen stand „Kampfmittelbelastetes Gebiet, Lebensgefahr, Betreten und Befahren verboten“. Das versetzt einen gedanklich mal kurz in die Kriegszeit.

 

Nach 33 Kilometern erreichten wir mit kurzer Pause an einem Spielplatz unsere Pension in Boek. Kindchen und ich waren schon etwas k.o., vor allem, weil ich noch Gepäck von mindestens 15 Kilogramm dabei hatte inkl. meiner Kamera.  Für Basti war die Strecke natürlich gar nicht anstrengend.

 

650 Meter mussten wir aber dann nochmal zurücklaufen ins Restaurant für unser Abendessen. Es gab gebackenen Schafskäse mit Quark, Preiselbeeren, Salate, Brot und Kohlrabisuppe. Die einzigen vegetarischen Gerichte hier.

 

Unsere Pension ist ganz nett, mit 12 Zimmer und mitten im Nirgendwo, nicht mal Handynetz. Aber dafür etwas ganz neues für uns, weil wir noch nie eine mehrtägige Radtour gemacht haben.

 

Zweiter Tag unserer 3-Tages-Radtour

 

7:30 Uhr aufgewacht, das Frühstücksbuffet in der Pension war überraschend gut und vielfältig. 10:00 Uhr waren wir auch schon startklar.

 

Unsere heutige Tour führte uns hauptsächlich durch den Wald, nämlich durch den Müritz Nationalpark. Schön ist es hier. Still, reine Luft, die Bäume knarrten und der Wind wehte. Im Wald bekamen wir den Wind mit Böen von teilweise 40 km/h gar nicht so mit.

 

Unterwegs kamen wir an zwei Aussichtstürmen vorbei, den ersten stiegen wir nach oben und hatten einen tollen Überblick über das Naturschutzgebiet. Tiere sahen wir leider keine. Frisch war es im Wald. Gut, dass wir unsere Jacken dabei hatten. 

 

An einem schönen Rastplatz am Waldrand machten wir Pause. 20 Kilometern später kamen wir am Ziel an, in Waren. Kaum raus aus dem Wald sahen wir am zweiten Haus am Waldrand einen Fuchs, Kindchen hatte ihn als erstes gesehen. Er lief da durch den Vorgarten, als ob der dort wohnen würde. 

 

Da wir seit gestern Abend kein Internet mehr hatten, funktionierte auch unser Navi nicht und wir mussten anhand der Straßenschilder und einer Stadtkarte unser Hotel suchen.

 

Einmal zum Hafen, dort durch das Gewusel und Gedränge, der Lärm der Autos nervte mich gleich wieder und Kindchen wurde direkt unentspannter.

 

Endlich am Hotel angekommen, eingecheckt und zurück am Hafen durfte das Kindchen erstmal aufs Trampolin. Er hüpfte gleich dreimal und zahlte einmal davon mit seinem Taschengeld. Zwischendurch Eis und Kaltgetränk und weiterspringen. Energie war also noch reichlich vorhanden.

 

Danach spazierten wir noch ein bisschen am Hafen entlang und durch die Altstadt auf der Suche nach einem Abendessen und fanden eine Pizzeria. Leider kann man in keinem der Restaurants mit Karte bezahlen und so musste ich Bargeld organisieren.

 

Dritter Tag unserer 3-Tages-Radtour

 

Heute früh ging es ganz gut im ersten Zeitslot zu frühstücken. Das Buffett war lecker und reichhaltig. Danach verschwand das Kindchen aber wieder im Bett und ich packte unsere Sachen zusammen.

 

10:00 Uhr waren wir startklar. Unsere Tour begann am Holzweg, der über Sumpf führte und vorbei an Schloß Klink mit dem weißen Sandstrand gegenüber. Dort verweilten wir ein paar Stunden, Kindchen spielte im Sand, baute Türme und verbuddelte sein Essen. War klar. Gefunden haben wir es natürlich nicht mehr wieder.

 

Die weitere Stecke führte uns an Tag drei viel öfter an Hauptstraßen entlang. Jede Streckenetappe war anders. Zuerst über die vielen Felder, dann durch den Nationalpark und zum Schluss entlang der Landstraße. Irgendwie schien unser Ziel sich immer mehr zu entfernen anstatt zu nähern.

 

An einer Kreuzung unseres Fahrradweges stand ein Schild mit 4,7 Kilometer bis zum Endziel, an der nächsten waren es 13,7. Einen Kilometer weiter stand an einer Autokreuzung 7 Kilometer angeschrieben. Irgendwann nach ein paar Hügelchen auf und ab und lauten Autos neben uns konnten wir die Kirchturmspitze von Röden sehen und kamen unserem Auto dann doch endlich näher.

 

Nach 88,5 Kilometern erreichten wir den Parkplatz in Röbel und das Kindchen umarmte freudig das Auto. Geschafft! Ich war sehr stolz auf ihn. Darauf, dass er überhaupt Lust auf so eine lange Radtour hatte und natürlich darauf, dass er ohne Schimpfen und Jammern jeden Kilometer gefahren und am Ende knapp 90 Kilometer an drei Tagen geschafft hat.

 

Nachdem ich den Autoschlüssel aus dem Hotel geholt hatte, fuhren wir in unser Ferienhaus nach Qualzow, ein kleines Minidörfchen mitten im Nichts. Dort angekommen, gefiel es mir erstmal gar nicht. Die Besitzer waren auch nicht da. Der Schlüssel steckte am Häuschen, also gingen wir einfach rein und richteten uns gemütlich ein. Wir fragten uns schließlich bei den Nachbarn durch, irgendeiner hatte die Handynummer der Besitzerin und so konnten wir sie dann doch erreichen. Nachdem alle Spinnen im Häuschen befreit waren, fühlte ich mich dann doch wohl und wir machten uns einen gemütlichen Abend mit Planung der nächsten Tage.

 

An nächsten Tag fuhren wir zu einem Bootsverleih nach Rheinsberg, der einzige Verleih, der spontan ein 15 PS starkes Motorboot mit Dach und Kombüse zur Verfügung hatte. Wir freuten uns, denn eigentlich hatte wir keine große Hoffnung mehr darin gesetzt, noch eins zu finden. So schipperten wir über die Seen und durch enge Kanäle, wir hatten eine Karte an Board. Schön war es, aber leider stank es auch etwas nach Benzin, also umweltfreundlich war das ganze überhaupt nicht.

 

An einer abgelegenen Stelle im übernächsten See stellte ich den Moto aus, zog meinen Bikini an und sprang ins Wasser.

 

Den Weg zurück steuerte das Kindchen das Boot unter meiner Anleitung alleine. Legte eine flotte Drehung hin, lenkte nach links und rechts und so kippte das Boot zu allen Seiten. Aber bald hatte er den Dreh raus und steuerte uns gut über den See und zwischen andere Boote hindurch. Kleiner Skipper.

 

Zum Schluss fuhren wir noch an einer Burg vorbei, wo gerade ein Fotoshooting stattfand und dann ging’s nach 2 1/2 Stunden zurück an den Anleger. Schön war’s.

 

Im Ort gab es noch ein EiZ für jeden und wir suchten uns noch eine Badestelle heraus. Ich fand eine an einem Naturcampingplatz drei Kilometer in den Wald hinein. Dort tobte sich das Kindchen noch im Wasser aus.

 

Die letzten zwei Tage sollten etwas ruhiger werden. Ein Badetag wäre mal ganz nett. Aber es war gar nicht so einfach, eine schöne Badestelle zu finden. So viele Seen, aber wenig Badestrände. Klar kann man keinen Strand wir am Meer erwarten, aber viele Seen sind auch gar nicht zugänglich, wenn man das so bei Google Maps anschaut.

 

Nach ein bisschen Suche fand ich etwas in Plau am See, ca. 45 Minuten von uns entfernt, aber es hat sich sehr gelohnt. Wir fanden tatsächlich einen hübschen Badestrand vor und legten uns mit der Decke unter einen Baum, den einzigen am ganzen Strand. Das Wasser war herrlich erfrischend bei der Hitze und wir verbrachten hier den ganzen Tag. Soooo schön!

 

Für den letzten Tag stand Regenwetter an, weshalb unser Besuch im Bärenpark ausfallen musste und wir stattdessen in der Müritz Therme in Röbel landeten. Das Kindchen tobte sich aus und wir rutschten zusammen bestimmt 30 Mal die Wasserrutsche herunter. Wir blieben vier Stunden und trotz, dass es ein kleines Schwimmbad ist, hat es uns gut dort gefallen.

 

Fazit: Die Woche an der mecklenburgische Seenplatte hat uns wirklich ausgesprochen gut gefallen. Hübsche Ortschaften, die so anders aussehen, viel Natur und Ruhe, Seen ohne Ende und Wetterglück hatten wir auch noch.

 

Unsere zweite Urlaubswoche verbrachten wir an der Ostsee, hier geht’s weiter im Reisebericht.

 

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