Amsterdam – ein Wochenende für die Mama

„Once a year, go someplace you’ve never been before“ (Dalai Lama). Das mache ich schon seit mehr als 17 Jahren. Amsterdam blieb nur immer irgendwie auf der Strecke und ich hatte mit Mann und Kind für einen Städtetrip nicht die richtigen Reisepartner. Dafür aber eine liebe Freundin, die kurzerhand beschloss, mit mir zu reisen. Eine gute Entscheidung, denn zwei Mamas müssen auch mal raus und Spaß haben. Es war eine der schönsten Städtereisen, die ich bisher machen durfte.

 

Mein Vorteil war, dass sich meine Freundin schon in Amsterdam auskennt und ich mit ihr meinen ganz persönlichen Reiseleiter dabei hatte. Wir planten unseren Trip frühzeitig, ich buchte Flüge mit Lufthansa und das Hotel Holiday Inn Express Amsterdamt South. Am Tag der Abreise trafen wir uns mit jeweils einem Rucksack als Handgepäck in der S-Bahn zum Flughafen, begannen zu erzählen und hörten erst auf, als wir uns zwei Tage später wieder verabschiedeten.

 

Der Hinflug wurde von Lufthansa CityLine durchgeführt und ich konnte mich nach so vielen Flügen nicht mehr erinnern, dass die CityLine so winzig ist. Ein Mann, der vor uns saß, konnte im Flugzeug nicht mal aufrecht stehen und die Plätze sind sehr kuschelig eng. Wie auch immer, nach einer Stunde landeten wir Amsterdam, liefen über den unendlich großen Flughafen bis zur Eingangshalle und kauften dort zwei Drei-Tages-Tickets für Metro und Straßenbahn.

 

Die Metro ließ nicht lange auf sich warten, in Amsterdam Zuid stiegen wir in die Straßenbahn um, die uns direkt vor das Hotel fuhr. Blind und ortsunkundig wie wir waren, steuerten wir schnurrstracks und voller Elan den nächsten Supermarkt an um eine Dame an der Kasse zu fragen, ob sie das Hotel kenne, was hier irgendwo sein müsste. Ein netter Herr neben mir, geschätzte drei Meter hoch, den ich nicht anschauen konnte ohne mich zu verrenken, half uns direkt mit Hilfe seines Smartphones und zeigte hinter die nächste Häuserecke, wo unser Hotel unverfehlbar dalag.

 

Wir checkten ein, begutachteten unser Zimmer, schlüpften in neue Klamotten und zogen direkt wieder von Dannen in Richtung City. Erst Straßenbahn und dann Metro brachten uns zum Hauptbahnhof, dem Dreh- und Angelpunkt der Stadt.

 

Hier drehten uns erstmal dreimal um die eigene Achse um uns zu orientieren und liefen drauflos. Vorbei am wohl schmalsten Hotel der Welt hin zu einer Frittenbude mit einer endlos langen Schlange. Die scheinen besonders gut zu schmecken, so stellten wir uns an und kauften unser Abendessen. Zwar nicht unbedingt healthy, aber lecker.

 


 

Am Hauptbahnhof starten auch Sightseeing-Bootstouren und wir fanden, so ein bisschen durch die Grachten schippern zu lassen wäre ein perfekter Einstieg, die Stadt kennnezulernen. Gesagt, getan saßen wir wenig später in einem dieser Boote und ließen uns berieseln von den Erklärungen des Kaptains und den vorbeiziehenden Häusern.

 


 

Den vorbeiziehenden schiefen Häusern. Windschief. Schiefer geht’s nicht. Man beachte, dass die komplette Innenstadt auf Stelzen im Wasser steht und Platz bei der Erbauung rar war. Weshalb die schmalen Häuser in die Höhe ragen. An jedem Dach befindet sich ein Flaschenaufzug um Möbel durch die Fenster in die Häuser zu tragen.

 


 

Unglaublich fand ich auch die Hausboote, die auf den Grachten liegen und tatsächlich bewohnt sind. Blumen schücken die „Verandas“, Briefkästen und Namensschilder deuten auf eine Daseinsform in diesen Behausungen.

 

Nicht zu vergessen die 1281 Brücken.

 

 

Das Kanalboot brachte uns nach einer Stunde wieder zum Ausgangspunkt, von wo aus wir bis ca. 21:30 Uhr durch Gassen und Straßen schlenderten, über Plätze und vorbei an geschichtsträchtigen Bauwerken. Dabei fielen uns besonders die Wohnungen und Läden auf, die eigentlich schon längst in den Kanälen liegen mussten, weil Stufen vom Gehweg hinab auf Meereshöhe führen.

 

 

 

Wir beendeten unseren heutigen Tag am Nieuwmarkt , wo wir direkt am nächsten Tag weitermachen wollten. Immernoch pappsatt von unseren Frietjes ging’s zurück ins Hotel und nach langem Erzählen löschten wir erst gegen Mitternacht das Licht.

 

Der Start in den Samstag begann mit einem ausgedehnten Frühstück bis 11:00 Uhr und eine Stunde später fanden wir uns am Nieuwmarkt wieder. Heute war groß Markttag, der uns aber nicht weiter interessierte. Stattdessen bummelten wir heute stundenlang durch die Innenstadt, über die vielen Brücken, entlang der Grachten und durch wundervolle Gassen.

 

(zum Vergrößern auf’s Bild klicken)

 

Wir ließen Amsterdam auf uns wirken, standen einfach nur da und schauten den Leuten zu, dem Verkehr, beobachteten das Treiben und ließen uns von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen.

 

 

Der süßliche Geruch von Hanf und Marihuana benebelte auch uns irgendwann und so langsam wurde mir übel davon.

 

 

In Amsterdam gibt es auch ein Chinatown mit einem chinesischen Tempel auf der Stormsteeg. Nach so richtig Chinatown sieht es hier aber nicht aus, nur die Straßenschilder sind in chinesischen Schriftzeichen und ist das eigentlich ironisch gemeint, dass das Rotlichtviertel genau in Chinatown liegt? Wie Puppen stehen die Damen in Dessous in den Schaufenstern und wunken uns zu. Naja, wir waren nicht ganz Zielgruppe, aber man kann’s ja mal probieren 🙂 Für interessierte Herren wurden die Türen kurz geöffnet, die Herren hineingezogen und sofort wieder verschlossen.

 

 

Weiter ging’s entlang prächtigen Grachten, hübsch geschmückt mit Blumen und gesäumt von Bäumen. Großer Spaß auch für Jetskifahrer, die sich sichtlich amüsierte, die Motoren losheulen zu lassen, sobald sie unter Brücken hindurchfuhren.

 

 

In der Grimburgwal 2 stand eine Haustür offen und wir hatten freien Blick in das Innere eines typischen Amsterdamer Wohnhauses. Hinter der Tür führt eine steile Treppe nach oben, für mehr ist kein Platz. An der Tür hängt ein Schild, Pannenkoekenhuis, mit dem netten Namen „Upstairs“. Wir stiegen also nach oben und es eröffnete sich ein Raum von nicht mehr als 15 qm, in dem eine Küche zum Zubereiten der Pfannkuchen und drei Tische mit Stühle für ca. 12 Personen Platz fand. Wir reservierten einen Tisch für morgen Mittag.

 


 

Wir waren nicht nur von der Stadt mit ihren Gebäuden überwältigt, sondern auch von dem Verkehr mit mehr Fahrrädern als Einwohnern. Durch die Stadt führen Straßen nur für Fahrradfahrer. Aber was für Fahrräder. Hollandräder, Cityräder, Transporträder, Lastenräder Babboe, Klappräder, Fahrräder mit drei Kindersitzen, Tandems, kurze, kleine, große, alte, neue, und für all die Fahrräder gibt es sogar ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof und mehrere zu Parkplätzen umfunktionierte Boote auf den Grachten.

 

 

8 Stunden und 200 Fotos später traten wir den Rückzug an, aber nicht ohne uns etwas Essbares organisiert zu haben. Keep it simple landeten wir in einem Selfservice Supermarkt, kauften Salate, Obst und Smoothie und ließen es uns im Hotelzimmer schmecken. Erst weit nach Mitternacht schauten wir auf die Uhr, Zeit zum Schlafen um für den letzten Tag in Amsterdam fit zu sein.

 

Für unseren letzten Tag hatten wir uns Westerdok vorgenommen, ein wenig abseits des Trubels, aber mit nicht weniger Amsterdamer Flair. Nach den letzten aufregenden Tagen tat uns die Ruhe gut. Wir schlenderten am Wasser entlang, vorbei an zahlreichen Hausbooten, an Wohnungen ohne Gardinen mit freiem Blick mitten in die Wohnzimmer, über Klappbrücken und sogar entlang einer kleinen Parkanlage.

 

 

Leider meinte es das Wetter heute nicht gut mit uns. Zumindest Westerdok konnten wir noch trocken ablaufen, aber zurück in der City mussten wir uns am NEMO Science Center unterstellen. Schade aber auch.

 

Von hier aus fuhren wir mit der Straßenbahn zum Pannenkoekenhuis und speisten ein vorzügliches Pfannkuchenmittagessen, ganz original im typisch Amsterdamer Wohnhaus. Sooo lecker, wärmstens zu empfehlen und ebenso ein ehrwürdigen Abschied von dieser wundervollen Stadt.

 


 

Leider zeigte die Uhr schon 14:30 Uhr. Wo ist die Zeit geblieben? Die Straßenbahn brachte uns nach Spoi und dort würden wir in die Metro zum Flughafen umsteigen. So hatte es uns die Dame an der Hotelrezeption empfohlen. Mit ihr hatten wir ein paar Verständigungsprobleme, weil wir „Spoi“ nicht richtig aussprechen konnten und sie nicht wusste, was wir eigentlich von ihr wollten. Jedenfalls war dies der schnellste Weg zum Airport und wir kamen so rechtzeitig an, dass wir noch eine halbe Stunde warten mussten.

 

 

Eineinhalb Stunden später landeten wir wieder in München und ich freute mich sehr über so ein gelungenes Mädelswochenende, dass ich es sehr gerne wiederholen möchte.

 

Ziel steht fest, liebe Freundin, gell??? 🙂

 

Eure Nicky

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